Deutschkenntnisse als Qualifikation am Arbeitsmarkt in Afghanistan!

 

Polyglott in Kabul II

„Darüber hinaus konnten Sie sich während Ihres Aufenthaltes in Österreich auch Kenntnisse der deutschen Sprache aneignen, was Ihnen als zusätzliche Qualifikation zugutekommt.“

Richtig – ein Textbaustein, den wir hier schon kennen!!

Der Asylwerber spricht tatsächlich schon erstaunlich gut Deutsch und bringt bei seiner Einvernahme nach nur 1  1/2 Jahren in Österreich auch ein ÖSD B1 Diplom in Vorlage.

An 3 anderen Stellen des Bescheides relativiert sich die Anerkennung der Deutschkenntnisse dann aber wieder:

„mittelmäßige Deutschkenntnisse“, „deutsche Sprache auf niedrigem Niveau“, ja sogar  „Sie sprechen kaum Deutsch“ finden sich innerhalb von 3 Seiten!

Also was jetzt….?

I scheiß auf dei‘ Kultua!!

 

Ein junger Afghane versuchte im Verlaufe eines fast 7-stündigen (!) „Interviews“ dem Vernehmungsbeamten zu erklären, warum er sich in einer bestimmten Situation so und nicht anders verhalten habe, und sagte nach längerem Hin und Her (weil es über den Dolmetsch offenbar nicht funktioniert hatte) in einwandfreiem A2-Deutsch„Das ist in unserer Kultur eben so.“ – Darauf der entnervte Beamte: „I scheiß auf dei‘ Kultua!!“

Begleitperson: „Das protokollieren Sie jetzt bitte!“
Die Stilblüte fand sich dann natürlich nicht im Protokoll

Wann ist denn etwas glaubhaft?

 

Eine zentrale Frage in den meisten Asylverfahren.

Unzweifelhaft waren Ihre diesbezüglichen Behauptungen glaubhaft, zumal sämtliche Ihrer Angaben dazu keinerlei Vorteil für Sie erbringen.“

Umgekehrt allerdings…….eh schon wissen…..

 

Wer aller nicht gefährdet ist…

 

 

„Wie Sie nun weiter ausführten, seien Sie zunächst in Kabul untergetaucht, um dann zu den Eltern in die Heimatprovinz Ghazni zu fahren. Auf dem Weg dorthin hätten Sie aber von einem  Verwandten erfahren, dass die Taliban die passierenden Fahrzeuge nach Regierungsmitarbeitern durchsuchten, weshalb Sie die Fahrt nicht fortgesetzt hätten, weil Sie davon ausgingen, dass Sie eine Verfolgung seitens der Taliban zu befürchten hätten. Dazu ist anzumerken, dass Sie ja an anderer Stelle behauptet hatten, zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr als Lehrer gearbeitet zu haben. Zudem ist Ihnen – wie Ihren Ausführungen ebenfalls klar zu entnehmen ist – nichts Konkretes zugestoßen und kam es nie zu direkten Drohungen oder auch nur zu einem Kontakt mit den Taliban. Ihre Behauptung ist daher als reine Mutmaßung anzusehen.“

Wir lernen also, wer sich nicht freiwillig in eine Straßensperre der Taliban begibt, dem droht auch keine Gefahr durch die Taliban.

Anzumerken wäre hier auch, dass nicht die Verfolgung an sich, sondern die begründete Furcht vor Verfolgung für Asyl relevant ist!

 

Apodiktische Sicherheit

 

Der Asylwerber hat lediglich angegeben keine Verwandte in Afghanistan zu haben bzw. zu kennen, da die Eltern vor seiner Geburt aus Afghanistan geflohen sind.

Auch wenn nicht mit apodiktischer Sicherheit festzustellen war, dass Sie tatsächlich über Netzwerke in Afghanistan und insbesondere in Kabul verfügen, so kann aufgrund der festgestellten Tatsache, dass Sie als Person absolut unglaubwürdig sind, mit gutem Grund davon ausgegangen werden, dass Sie zumindest in Afghanistan, vielleicht sogar in Kabul über Netzwerke verfügen, umso mehr Sie andernfalls ja keine konstruierten Angaben in Bezug auf Ihre persönlichen Lebensumstände und die Verwandtschaftsverhältnisse offensichtlich bloß in den Raum gestellt hätten.  Konsequenter Weise und im Sinne eines fairen Asylsystems, in dem sämtliche Asylwerber unter gleichen Voraussetzungen auch mit dem selben Ergebnis rechnen dürfen, kann demnach aus Ihrem bloß vorgetäuschten Familienverhältnissen auch kein Vorteil für Sie entstehen.

Übersetzung:

  • Wir haben keine Ahnung ob sie Verwandte in Afghanistan haben oder nicht.
  • Aber weil Sie unglaubwürdig sind, kann davon ausgegangen werden, dass Sie Familie in Afghanistan, vielleicht sogar in Kabul haben.
  • Denn wenn sie keine Familie in Kabul hätten, dann hätten Sie uns ja keine Lügengeschichten über Familienverhältnisse offensichtlich bloß in den Raum gestellt. (Den Teil versteh ich nicht so ganz, ich glaub da ist der Beamte a bisserl gestolpert. Vielleicht meint er “ Weil Sie ein Lügner sind, glauben wir nicht, dass Sie keine Familie in Kabul haben, und wir wissen, dass Sie ein Lügner sind, weil Sie behaupten, keine Familie in Kabul zu haben.“)
  • Weil wir hier ein faires System fahren, und sie gesagt haben, dass Sie keine Familie in Afghanistan/Kabul haben, kriegen sie ein Njet

Cool oder?

Stotterer sind keine Geschichtenerzähler

 

Wie ist das jetzt mit starken Stotterern? Können die sich nicht zusammenreißen?

„Bei der Gesamtbetrachtung der von Ihnen geschilderten Fluchtgründe ist es Ihnen nicht einmal ansatzweise gelungen, Ihre „Fluchtgeschichte“ dergestalt zu präsentieren, wie dies eine durchschnittliche Maßfigur tun würde. So schilderten Sie tatsächlich eine stereotype, „leere“ Rahmengeschichte, ohne diese durch das Vorbringen von Details, Nachvollziehbarkeit etc. zu substantiieren bzw. mit Leben zu erfüllen.“

Schön, dass wenigstens im Protokoll erwähnt wurde:
„Anmerkung: AW stottert sehr stark.“ Also ist er vielleicht doch keine „durchschnittliche Maßfigur“, was das Erzählen angeht. Aber
dass ein nervöser junger Mann, der sich auf den Kopf schlagen muss, damit die Wörter rauskommen, keine blumige, detaillierte Geschichte in kurzer Zeit erzählen kann, scheint noch nicht zu allen durchgedrungen zu sein.

So tun als ob

 

Geht scho, da tust a bisserl so als ob du beten würdest, des fällt eh keinem auf.

Es ist jedenfalls einem Atheisten zuzumuten, den Schein zu wahren und sich, ohne in besonderer Weise viel Einsatz zeigen zu müssen, ein wenig an die Traditionen der islamischen Glaubensgemeinschaft zu halten.“

Romeo und Julia

 

Die klassische Bildung des Beamten scheint noch nicht ganz abgeschlossen zu sein. Hätte er Faust gelesen, wo Gretchen ihr Kind umbringt, oder Romeo und Julia, hätte er folgenden Satz wohl nicht geschrieben:

Da sowohl Sie als auch Ihre behauptete Ehegattin, mit Sicherheit von den Strafen welche eine solche Beziehung nach sich ziehen würde, gewusst haben, ist auch eine solche Beziehung ohne Einverständnis der Eltern nur schwer vorstellbar.“

Die vollen Gefängnisse zeugen weltweit dafür, dass das Wissen über eine Strafe nicht unbedingt von der Durchführung der Tat abhält.

 

Da waren es nur mehr fünf …

 

BFA: Sie sind traditionell verheiratet, dazu geben Sie an mit …. verheiratet zu sein, dabei führen Sie 5 gemeinsame Kinder an.

Die Eltern haben richtigerweise  – auch so im Interview angegeben – sieben Kinder, wovon sechs in Österreich leben.

Anmerkung: So ein Fehler würde bei einem Aslywerber als „unglaubwürdig“ ausgelegt werden, bei einem Beamten hingegen ist es nur eine harmlose Unachtsamkeit.

 

Imaginäre Familie

 

Aus dem Bescheid eines 1999 geborenen Schülers:

Ihre Frau und Ihre Kinder sind seit dem 27.09.2015 […] aufhältig.“
Richtigerweise kann es sich nur um die Eltern und die Geschwister des 1999 geborenen Schülers handeln, da er selbst nicht verheiratet ist.

„Sie selbst haben angegeben, dass sie Ihre Eltern früh verloren haben, deshalb hätten Sie auch keine Schule besucht dabei war es Ihnen ebenfalls möglich die Grundbedürfnisse durch Ihre Arbeit, sogar als Jugendlicher, zu decken. Auch In weitere Folge war es Ihnen  nach traditioneller Eheschließung möglich, für Ihre Frau und Ihre sechs Kinder  zu sorgen. Sie sind volljährig, verfügen über mehrjährige Arbeitserfahrung und haben durch diese Ihre Familie und sich selbst versorgt.“

Hier wird offensichtlich ein (sehr unpassender)Textbaustein aus einem anderen Bescheid verwendet, um die Abscheibung des Aslywerbers zu rechtfertigen.