Unglaubwürdig Geschwindigkeitsangabe

 

“Ich war auf dem Weg von A nach B als ich von drei Taliban angegriffen worden bin. … Zwei Reifen wurden angeschossen (hatten einen Platten). Mein LKW wurde viel beschossen”.
BFA: “Konkret darauf angesprochen, dass es nicht nachvollziehbar sei, den LKW anzuhalten (anstatt Gas zu geben und weiter zu fahren), wenn auf diesen geschossen wird, beteten Sie wortident dieselben auswendig gelernten Floskeln herunter und bemerkten nicht, wie absurd und ganz und gar nicht den Lebenserfahrungen entsprechend Ihr Vorbringen war.

“Ich wusste, dass es eine gefährliche Gegend war, daher fuhr ich ziemlich schnell, ca 120 km/h. … Ich habe zwar angedeutet (mit der Körpersprache) dass ich bremse. Sie haben aber trotzdem hinterher geschossen … Ich habe das Auto angehalten und die Handbremse gezogen, bin ausgestiegen und habe mich versteckt.”
BFA: Die Schilderung des eigentlichen Vorfalls, nämlich die Anhaltung durch die Taliban, entbehrt aber jedenfalls sämtlicher Vorstellungskraft eines vemunft-begabten Menschen. Sie behaupten, gewusst zu haben, dass die Gegend eine gefährliche sei und seien daher mit ca. 120 km/h unterwegs gewesen. Alleine diese Geschwindigkeitsangabe ist aufgrund des geschilderten Sachverhaltes, nämlich das Lenken eines LKWs unter den in Afghanistan ortsüblichen Straßenzuständen, mehr als unglaubwürdig.

“… Ich habe Angst bekommen, da sie meinen Namen nannten. Sie sagten, ich solle mich ergeben….”
BFA: Sie konnten keine asylrelevante Verfolgung glaubhaft machen bzw. dass Sie eine solche Verfolgung künftig zu befürchten hätten. Nicht festgestellt werden konnte, dass Sie einer Gefährdung oder Verfolgung im Herkunftsland ausgesetzt waren, sind oder wären .

 

 

 

 

Westlich orientiert in Afghanistan?

 

Aus einem negativen Asylbescheid einer Mutter:

„Sie brachten vor kein selbst bestimmtes Leben in [Heimatland] zu führen, wobei Sie aber nicht als westlich Orientierte Frau auftraten, sondern sehr wohl den Tschador getragen haben.“

Eigentlich bestätigt dieses Tragen des Tschadors, dass die Frau eben kein selbstbstimmtes Leben in Afghanistan führen konnte. Aber das BFA – das offenbar genau weiß, wie sich Frauen in ländlichen Gegenden in jenem Land kleiden dürfen – macht es dieser Asylwerberin  (die explizit ihre Freiheit hier in Österreich lebt und liebt) zum Vorwurf, dass sie sich dort den herrschenden Bedingungen fügen musste.

 

Nicht aufgepasst

 

Interviewer: “Woher kannte diese Person, die den Drohanruf tätigte Ihre Telefonnummer?”

Asylanwärter: “Das weiß ich selber nicht. Die einzige Möglichkeit wäre, dass sie die Daten über die Firma erhalten haben. Ich habe jeden Wohnungswechsel bei der Firma bekanntgeben müssen bzw. musste immer die aktuelle Telefonnummer angegeben sein, falls in der Firma jemand ausfiel.

Im Bescheid steht dann: “Zu diesem Telefonanruf gibt es keine Beweise und Sie können keine detaillierten Angaben machen, wer der Anrufer war und woher er die Telefonnummer hatte.”

Dichtung und Wahrheit

 

Ein junger Flüchtling lebt bei einer Familie in Wien. Nach einer BFA-Einvernahme erhält er einen negativen Asylbescheid mit völlig absurden Begründungen.
Zu den Themen ‚Privat-und Familienleben‘ bzw. ‚Integration‘ wird festgestellt, der junge Mann verfüge nur über geringe Sprachkenntnisse in Deutsch (tatsächlich zertifiziertes Niveau B1 !), er gehe keiner Erwerbstätigkeit nach (was er ja als Asylwerber gar nicht darf !) und sei in keiner Weise integriert.
Aus der Tatsache, dass er bei einer Pflegefamilie lebe, sei kein überdurchschnittlich intensives Verhältnis ableitbar. Er habe keine nennenswerten privaten Bindungen in Österreich und sei damit in keiner Weise integriert.