Glänzende Verwandtschaftsverhältnisse

 

… Dass Sie in XXXXX geboren, sowie den Großteil Ihres Lebens in XXXXX verbracht haben, ist durchaus plausibel und auch kein Grund ersichtlich, Ihnen in diesem Zusammenhang keinen Glauben schenken zu können. Sie waren jedoch vage, als Sie über den Aufenthalt Ihrer Verwandtschaft befragt wurden. So haben Sie nicht von sich aus wie gefordert alle Verwandten angegeben, sondern die Behörde hat nachfragen müssen und dies zeigt, dass Sie offensichtlich versuchen jegliche Verwandtschaft in Afghanistan zu verheimlichen. Dieses Verheimlichen ist auch daran zu erkennen, dass Sie keine Geschwister aus der väterlichen Linie angeben wollen und somit Ihren Vater als Einzelkind darzustellen versuchen und dies ist für afghanische Verhältnisse mehr als ungewöhnlich. Das zeigt auch, dass Sie es mit der Wahrheit offensichtlich nicht so genau nehmen und auch in der EV vor dem BFA mit Unwahrheiten sowie Verheimlichungen hinsichtlich Ihrer Verwandtschaftsverhältnisse glänzen, und somit sind auch Ihre weiteren Angaben mit Zweifel behaftet. In Anbetracht der obigen Ausführungen ist es nicht möglich, gerade jene Behauptung als glaubhaft festzustellen, mit der Sie Anknüpfungspunkte in Afghanistan abstreiten, umso mehr Sie ja Ihre Verwandtschaftsverhältnisse nicht glaubhaft darzustellen vermochten. ….

 

Alltag

 

Beschreiben Sie mir Ihren Alltag zuletzt im Heimatland?”

Diese Frage wurde dem Asylwerber gleich nach den Schilderungen der Misshandlungen und Drohungen der Taliban gestellt. Der Asylwerber hat  den Ablauf eines typischen Tags beschrieben.

In der Beweiswürdigung liest man dann:

“Bemerkenswert ist, dass Sie von diesem behaupteten Erlebnis mit Mitgliedern der Taliban nichts an Ihrem Verhalten im Alltagsleben verändert haben und auch Ihre Schilderung Ihres Alltags zuletzt im Heimatdorf auch nur ansatzweise eine persönliche Bedrohung- oder Gefährdungslage Ihrer Person erkennen lässt.”

Und weiter

“Bezüglich Ihres Alltags korrigierten Sie sich noch einige Sätze später und führten dann völlig abweichend aus, dass Sie sich die letzten vier Tage  vor Ihrer Ausreise nur mehr im Haus versteckt hielten und dann mit Ihren Angehörigen ausgereist waren.”

Wann ist denn etwas glaubhaft?

 

Eine zentrale Frage in den meisten Asylverfahren.

Unzweifelhaft waren Ihre diesbezüglichen Behauptungen glaubhaft, zumal sämtliche Ihrer Angaben dazu keinerlei Vorteil für Sie erbringen.”

Umgekehrt allerdings…….eh schon wissen…..

 

Romeo und Julia

 

Die klassische Bildung des Beamten scheint noch nicht ganz abgeschlossen zu sein. Hätte er Faust gelesen, wo Gretchen ihr Kind umbringt, oder Romeo und Julia, hätte er folgenden Satz wohl nicht geschrieben:

Da sowohl Sie als auch Ihre behauptete Ehegattin, mit Sicherheit von den Strafen welche eine solche Beziehung nach sich ziehen würde, gewusst haben, ist auch eine solche Beziehung ohne Einverständnis der Eltern nur schwer vorstellbar.”

Die vollen Gefängnisse zeugen weltweit dafür, dass das Wissen über eine Strafe nicht unbedingt von der Durchführung der Tat abhält.

 

Unglaubwürdig Geschwindigkeitsangabe

 

“Ich war auf dem Weg von A nach B als ich von drei Taliban angegriffen worden bin. … Zwei Reifen wurden angeschossen (hatten einen Platten). Mein LKW wurde viel beschossen”.
BFA: “Konkret darauf angesprochen, dass es nicht nachvollziehbar sei, den LKW anzuhalten (anstatt Gas zu geben und weiter zu fahren), wenn auf diesen geschossen wird, beteten Sie wortident dieselben auswendig gelernten Floskeln herunter und bemerkten nicht, wie absurd und ganz und gar nicht den Lebenserfahrungen entsprechend Ihr Vorbringen war.

“Ich wusste, dass es eine gefährliche Gegend war, daher fuhr ich ziemlich schnell, ca 120 km/h. … Ich habe zwar angedeutet (mit der Körpersprache) dass ich bremse. Sie haben aber trotzdem hinterher geschossen … Ich habe das Auto angehalten und die Handbremse gezogen, bin ausgestiegen und habe mich versteckt.”
BFA: Die Schilderung des eigentlichen Vorfalls, nämlich die Anhaltung durch die Taliban, entbehrt aber jedenfalls sämtlicher Vorstellungskraft eines vemunft-begabten Menschen. Sie behaupten, gewusst zu haben, dass die Gegend eine gefährliche sei und seien daher mit ca. 120 km/h unterwegs gewesen. Alleine diese Geschwindigkeitsangabe ist aufgrund des geschilderten Sachverhaltes, nämlich das Lenken eines LKWs unter den in Afghanistan ortsüblichen Straßenzuständen, mehr als unglaubwürdig.

“… Ich habe Angst bekommen, da sie meinen Namen nannten. Sie sagten, ich solle mich ergeben….”
BFA: Sie konnten keine asylrelevante Verfolgung glaubhaft machen bzw. dass Sie eine solche Verfolgung künftig zu befürchten hätten. Nicht festgestellt werden konnte, dass Sie einer Gefährdung oder Verfolgung im Herkunftsland ausgesetzt waren, sind oder wären .

 

 

 

 

Wie bitte?

 

Keine zwei Rohingya dürften nach dieser Logik den selben Fluchtgrund angeben. Ich müsste mir das auch 2-Mal vortragen lassen.

“Als Ihnen seitens der Behörde vorgehalten wurde, dass Sie mit diesem Vorbringen nicht der erste Fall sind, haben Sie keine plausible Antwort gegeben, sondern versuchten sich Zeit [zu] verschaffen, indem Sie sich
den Vorhalt nochmals anhören ließen und brachten aber selbst danach, keine Entkräftung dieses Vorhalts vor(siehe EV Seite 12), was die Behörde zu der Erkenntnis kommen lässt, nicht so falsch mit dieser Beurteilung zu liegen, da eine Person welche diesen Fluchtgrund tatsächlich hat, vielmehr dem Vorhalt widersprechen würde, was Sie aber gänzlich unterließen.”

Interviewstil

 

Von Anfang an bestimmte Unwirschheit den Gesprächsverlauf. Ständiges Seufzen, Murmeln von Sätzen wie “des glaub i jetzt ned” oder “jetzt reicht’s aber” (zumeist in tiefem Dialekt, diese wurden nicht übersetzt und fanden auch keinen Eingang ins Protokoll), Augen verdrehen, aufbrausendes Nachfragen zogen sich durch die beiden Interviews.

Die beiden Befragten wurden ständig unterbrochen und aus dem Konzept gebracht. Bereits im Interviewverlauf war klar, dass es nur darum ging, die beiden als unglaubwürdig darzustellen.

unsachlich

 

“Der von Ihnen vorgelegte Befund eines Facharztes für Psychiatrie attestiert Ihnen eine Angststörung und schwere depressive Episoden. Sie sind bereits seit Oktober 2015 in Österreich, haben aber erst kurz vor der Ladung zur Einvernahme beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl einen Termin bei einem Psychiater vereinbart. Die Monate davor waren Sie weder in Therapie noch haben Sie irgendwelche Antidepressiva genommen.”

Anmerkung: Die Geflüchtete wollte sehr lange keine Hilfe annehmen – erst als sich im Frühling 2017  ihr Gesundheitszustand sehr verschlechterte.
Das Betreuungspersonals der Grundversorgung vereinbarte umgehend einen Termin bei einem muttersprachlichen Facharzt. Die Wartezeiten sind bekannter Weise sehr sehr lang. Therapieangebote im Flüchtlingsbereich wie bei Hemayat haben Wartezeiten von bis zu 6 Monate.

Ermordung – ein bedauerlicher Todesfall

 

Die von Ihnen vorgebrachten Todesfälle ihn Ihrer Familie 2007 sind tragische und bedauerliche Vorfälle, ein konkreter Zusammenhang mit Ihrem Fluchtvorbringen konnte jedoch nicht bewiesen werden und entfaltet daher auch keine Asylrelevanz. Sie vermuten, dass Ihre Angehörigen von Milizen getötet wurden, es gibt dazu jedoch keine Beweise und es lässt sich nicht eruieren von wem Ihre Angehörigen getötet wurden.

Anmerkung: Einen Tag nach der Entführung des Sohnes wurde der Schwager des Geflüchteten umgebracht, drei Verwandte mütterlicherseits ermordet, zwei Verwandte seiner Ehefrau umgebracht, ihr Onkel gefoltert und ihm das Auge entfernt.

Im Gegensatz zu den nicht nachvollziehbaren Behauptungen der Behörde, dass kein konkreter Zusammenhang zwischen den „Todesfällen“ [sic!] in der Familie und dem Fluchtvorbringen besteht, ist auszuführen, dass die zahlreichen Morde, Entführungen und Folterungen sunnitischer Familienmitglieder, Freunde und Kollegen zwischen 2007 und 2009 aufgrund deren Religionszugehörigkeit sehr wohl asylrelevant sind, da sie belegen, dass im Irak Sunniten und insbesondere der Geflüchtete und seine Familie einer massiven gewalttätigen Verfolgung durch schiitische Milizen ausgesetzt sind.

Auch die länderkundlichen Informationen belegen, dass die Sicherheitslage im Irak sich in den letzten Jahren sogar noch einmal massiv verschlechtert hat und es zu einem Anstieg der Todeszahlen und der Gewalt- und Kriegshandlungen kam.